Anschreiben

Was in ein Anschreiben gehört, was du streichen kannst und wie der erste Satz gelingt.

Ein Anschreiben ist der Teil deiner Bewerbung, den niemand von dir verlangen würde, wenn es nur um Auskünfte ginge.

Der Lebenslauf sagt, was du gemacht hast. Die Zeugnisse sagen, wie es bewertet wurde. Das Anschreiben sagt etwas, das sonst nirgends steht: warum ausgerechnet diese Stelle und ausgerechnet du. Das ist viel verlangt für eine Seite Text, und es ist der Grund, warum die meisten daran am längsten sitzen und am wenigsten herausbekommen.

Es hilft, sich klarzumachen, wogegen ein Anschreiben geschrieben wird. Nicht gegen ein Ideal und nicht gegen eine Vorlage, sondern gegen eine Stellenanzeige: gegen die Aufgaben, die dort stehen, und gegen die Wörter, mit denen ein Unternehmen sie benennt. Ein Anschreiben ohne dieses Gegenüber wird fast zwangsläufig ein Text über den Absender — und Texte über den Absender lesen sich alle gleich.

Daraus folgt fast alles, was hier steht. Ein Satz, der auf jedes zweite Unternehmen passt, ist kein Stilproblem, sondern ein Materialproblem: Er entsteht nicht, weil jemand schlecht schreibt, sondern weil er nichts vor sich liegen hat. Deshalb geht es hier zuerst darum, woher das Material kommt, und erst danach um Formulierungen. Das gilt auch dort, wo es gar keine Anzeige gibt: Dann ist das Zusammentragen nicht der Vorlauf zur Arbeit, sondern die Arbeit selbst.

Was du hier nicht findest, sind Sätze zum Abschreiben. Ein Baustein, der tausendfach verschickt wurde, ist beim Leser angekommen, bevor du ihn benutzt — und er ist genau das, was ein Anschreiben nicht sein darf. Wo hier ein Beispiel steht, steht daneben, warum es funktioniert, damit du es an deinem eigenen Fall nachbauen kannst statt es zu kopieren.

Ich schreibe das nicht aus einer Personalabteilung heraus, sondern aus der Werkstatt: Für smartply habe ich die Funktionen gebaut, die aus einer Stellenanzeige und einem Profil einen Anschreiben-Entwurf machen. Dabei lernt man vor allem eines — wie viel von der Qualität eines Anschreibens schon entschieden ist, bevor der erste Satz geschrieben wird.

Zu kaum einer Frage der Bewerbung gibt es so viele Antworten wie zu dieser, und sie ähneln einander: Kopf, Betreff, Anrede, drei Absätze, Gruß; konkret werden, nicht floskeln, am Ende Korrektur lesen. Das ist richtig, und es ist vollständig. Es beantwortet nur die Frage nicht, an der die meisten sitzen bleiben.

Denn ein Anschreiben scheitert selten an der Form. Die Form ist in wenigen Minuten hergestellt und in jeder Vorlage schon enthalten. Es scheitert an den zwei, drei Sätzen in der Mitte, die eine Behauptung mit etwas belegen sollen — und dieses Etwas muss vorher herausgesucht werden.

Diese Seite ordnet deshalb beides: was feststeht, sobald Position und Unternehmen bekannt sind, und was du entscheiden musst. Für jede dieser Entscheidungen steht hier ein eigener Beitrag.

Fünf Fragen zum Anschreiben: zwei betreffen die Lage vor dem Schreiben, drei den Brief selbst
Zwei der fünf Beiträge handeln von der Lage, in der du anfängst — die anderen drei vom Brief.

Wovon ein Anschreiben handelt

Ein Bewerbungsanschreiben wird nie für sich gelesen, sondern immer neben zwei anderen Texten: neben deinem Lebenslauf und neben der Anzeige, auf die du dich beziehst. Beide sind fertig, bevor du anfängst. Das ist die eigentliche Lage — und sie ist günstiger, als sie sich anfühlt: Der Brief muss nichts erfinden. Er muss die beiden Texte aufeinander beziehen.

Daraus folgt die Arbeitsteilung. Der Lebenslauf beschreibt einen Werdegang, der sich nicht danach richtet, wer ihn liest. Das Anschreiben beschreibt keine Person, sondern eine Passung, und eine Passung hat zwei Seiten. Es ist damit der einzige Teil der Mappe, der für ein anderes Unternehmen anders aussähe — Zeugnisse sind ausgestellt, der Lebenslauf ist geschrieben, und beide bleiben, was sie sind.

Daraus folgt der Satz, der auf dieser Seite mehrfach wiederkehrt: Was in jedem deiner Anschreiben stehen könnte, gehört in keines. Er klingt streng, spart aber Arbeit. Die Sätze, an denen ein ganzer Abend hängen bleibt, sind fast immer Sätze dieser Art — und sie sind nicht zu retten, sondern zu streichen.

Bei uns lässt sich diese Arbeitsteilung an einer Stelle im Datenmodell ablesen. Der Lebenslauf einer Bewerbung fängt mit deinem Profil an: Er ist da, bevor du die Bewerbung anlegst, und nur wer will, schneidet ihn auf die Stelle zu. Das Anschreiben dagegen ist ein leeres Feld an der Bewerbung selbst. Es gibt keinen Zustand, in dem es schon halb fertig wäre — bei uns nicht und anderswo auch nicht. Genau deshalb ist es der Teil, an dem Bewerbungen liegen bleiben, und nicht, weil er schwer zu formulieren wäre.

Was feststeht, bevor du anfängst

Ein Anschreiben hat fünf Teile: Kopf, Betreff, Anrede, Brieftext, Grußformel mit Unterschrift. Vier davon sind Angaben. Sie stehen fest, sobald du weißt, auf welche Position du dich bei welchem Unternehmen bewirbst, und in einer Vorlage füllen sie sich aus Feldern, die einmal gepflegt werden.

Das lässt sich zählen. In der Standardvorlage von smartply stehen dreizehn Platzhalter; zwölf davon holen eine Angabe — Name, Anschrift, Postleitzahl und Ort, Telefonnummer und E-Mail-Adresse, dazu Unternehmen, Ansprechperson und Ort des Empfängers, das Datum, die Position für den Betreff und die Unterschrift. Der dreizehnte ist der Brieftext. In allen vierzehn Anschreiben-Vorlagen ist das Verhältnis dasselbe, und keine von ihnen hat ein Feld mehr, in das ein Mensch etwas schreibt.

Übrig bleibt also einer, und der ist die ganze Arbeit: drei bis vier Absätze auf einer Seite — ein Einstieg mit einer Angabe, zwei Belege, ein kurzer Schluss. Das ist keine kleine Menge Text, aber es ist eine überschaubare. Wer an Kopf und Betreff länger als ein paar Minuten sitzt, arbeitet am falschen Teil. Was in welchen Absatz gehört, was du streichst und warum Streichen keine Stilfrage ist, steht im Beitrag über den Anschreiben-Aufbau.

Fünf Teile eines Anschreibens untereinander; nur der Brieftext in der Mitte wird geschrieben
Vier Teile sind Angaben, einer ist eine Entscheidung — und nur der letzte kostet einen Abend.

Woher das Material kommt

Die Mitte des Briefes besteht aus Belegen, und ein Beleg hat drei Teile: was du getan hast, was dabei herauskam, und die Zeile der Anzeige, auf die beides antwortet. Fehlt der dritte Teil, ist es eine Erzählung. Fehlt der zweite, ist es eine Aufgabenbeschreibung — und die steht schon im Lebenslauf.

Zwei Belege genügen, und das ist keine Bescheidenheit, sondern eine Platzrechnung: Auf einer Seite hat ein dritter nur Raum, wenn der erste kürzer wird, und dann schwächt er ihn. Die Auswahl ist damit die eigentliche Entscheidung des ganzen Briefes. Genommen werden die zwei, die zur ausgeschriebenen Aufgabe passen — nicht die zwei größten.

Damit das gelingt, muss die Anzeige dabeiliegen und gelesen sein. Zwei Lagen machen genau das schwierig, und für beide steht hier ein eigener Beitrag:

  • Es gibt keine Anzeige. Dann fehlt nicht der Text, sondern das Anforderungsprofil — und das Zusammentragen ist nicht der Vorlauf zur Arbeit, sondern die Arbeit selbst. Was dabei zu beschaffen ist und woher, steht im Beitrag über die Initiativbewerbung.
  • Im Lebenslauf steht noch keine Stelle. Dann fehlt nicht das Material, sondern die Gewohnheit, es als Material zu sehen: Ein Beleg hängt an einer Aufgabe und nicht an einem Arbeitsvertrag. Welche Quellen dafür in Frage kommen und wo das Aufblasen anfängt, steht im Beitrag über das Anschreiben ohne Berufserfahrung.

In beiden Fällen ist das Ergebnis dasselbe: eine Handvoll Notizen, die vorher nirgends stand. Wer sie hat, schreibt einen Brief in einer knappen Stunde. Wer sie nicht hat, schreibt an einem Abend drei Anfänge und behält keinen.

Der Einstieg — und in welcher Reihenfolge du schreibst

Für den Brieftext nennt die Bundesagentur für Arbeit Zeilenzahlen: Der Einstieg „sollte etwa drei bis maximal fünf Zeilen lang sein“, der Hauptteil „circa acht Zeilen“ (abgerufen am 31.08.2026). Das ist eine brauchbare Größenordnung, und sie beschreibt das Ergebnis.

Sie beschreibt nicht die Arbeit. Drei bis fünf Zeilen Einstieg sind in zehn Minuten geschrieben, wenn die Angabe dafür dasteht — und in zwei Stunden nicht, wenn sie fehlt. Der erste Satz hängt nämlich nicht daran, wer du bist, sondern daran, was du vor dir liegen hast: eine Zahl aus der Anzeige, eine Meldung des Unternehmens, ein Ergebnis aus deiner eigenen Arbeit. Acht Muster dafür — und die vier Einstiege, die fast alle schreiben — stehen im Beitrag über den ersten Satz.

Daraus folgt eine Reihenfolge, die der Leserichtung widerspricht: Ein Anschreiben wird von oben nach unten gelesen und von der Mitte nach außen geschrieben. Erst die zwei Belege, dann der Schluss, dann der Einstieg. Denn erst wenn die Mitte steht, ist zu erkennen, worauf der erste Satz hinführen soll — und ein Einstieg, der auf nichts hinführt, wird zwangsläufig einer über die Bewerbung selbst.

Die Probe, die alle anderen Regeln ersetzt

Wenn du von dieser Seite eine Regel mitnimmst, dann diese: Halte jeden Absatz gegen die Frage, ob er genauso an ein anderes Unternehmen gehen könnte. Kann er das, ist er nicht schlecht geschrieben, sondern leer — und er steht auf dem Platz eines Belegs.

Die zwei Absätze unten stehen an derselben Stelle desselben Briefes, gleich nach der Anrede.

So besser nicht Passt auf jedes Unternehmen
Ihr Unternehmen ist mir als innovativer und zukunftsorientierter Marktführer bekannt. Die von Ihnen ausgeschriebene Position spricht mich sehr an, da sie hervorragend zu meinem bisherigen Werdegang passt. In Ihrem Unternehmen möchte ich meine Fähigkeiten gerne einbringen und mich zugleich weiterentwickeln.
So geht es Passt nur auf dieses
Sie stellen die Warenwirtschaft bis zum Jahresende auf ein neues System um; die Anzeige nennt das als Schwerpunkt der ersten zwölf Monate. Genau diesen Wechsel habe ich bei der Nordwind Logistik zwei Jahre lang begleitet, das zweite Jahr als Ansprechpartnerin der Filialen. Die meiste Zeit haben dabei nicht die Stammdaten gekostet, sondern die Frage, wer künftig Preise ändern darf.

Der erste Absatz nennt drei Eigenschaften des Unternehmens und keine einzige Angabe über es. „Innovativ“, „zukunftsorientiert“, „Marktführer“ — das ließe sich über die meisten Arbeitgeber schreiben, ohne die Anzeige gelesen zu haben, und genau das merkt man dem Absatz an. Der zweite nennt ein Vorhaben mit einem Zeitpunkt, eine eigene Station dazu und einen Satz, den nur jemand schreibt, der die Sache gemacht hat. Er ist kaum länger.

Diese Regel haben wir aufschreiben müssen, weil ein Programm sie sonst nicht einhält. Im Auftrag, mit dem der Anschreiben-Assistent von smartply losgeschickt wird, steht: „Nimm konkret Bezug auf genau dieses Unternehmen … Vermeide austauschbare Wendungen wie ‚in Ihrem Unternehmen‘, die auf jede Firma passen würden.“ Für ein Sprachmodell ist die austauschbare Wendung die naheliegendste — sie passt immer. Für einen Menschen unter Zeitdruck ebenso.

Wie das über einen ganzen Brief aussieht statt über einen Absatz, zeigen die Anschreiben-Beispiele: drei vollständige Texte für drei Situationen, jeder mit der Angabe, welcher Satz darin die Arbeit macht.

Was daraus für dein Anschreiben folgt

  • Leg die Anzeige daneben, bevor du den Brief öffnest. Ohne sie schreibst du über dich — und das steht schon im Lebenslauf.
  • Sammle zuerst, formuliere später. Zwei Aufgaben mit je einem Ergebnis, dazu je eine Zeile aus der Anzeige, auf die sie antworten.
  • Lass den Rahmen den Rahmen sein. Kopf, Betreff, Anrede und Gruß sind Angaben und keine Aufgabe.
  • Schreib die Mitte zuerst und den ersten Satz zuletzt. In der anderen Reihenfolge schreibst du den Einstieg zweimal.
  • Streiche jeden Satz, der auch an ein anderes Unternehmen gehen könnte. Diese eine Probe ersetzt jede Liste verbotener Floskeln.
  • Eine Seite. Was auf der zweiten stünde, steht im Lebenslauf — und dort vollständiger.

Die fünf Beiträge unter dieser Seite gehen den fünf Punkten einzeln nach. Wer gerade vor einem leeren Blatt sitzt, fängt mit dem an, der zu seiner Lage passt — nicht mit dem ersten in der Liste.

Häufige Fragen

Wie lang darf ein Anschreiben sein?

Eine Seite, und die ist selten voll. Die Bundesagentur für Arbeit gibt für den Brieftext Zeilenzahlen an: drei bis höchstens fünf Zeilen Einstieg, rund acht Zeilen Hauptteil, dazu etwa zwei Zeilen, die Stelle und Person verbinden (abgerufen am 31.08.2026). Wichtiger als die Zahl ist der Grund: Was auf einer zweiten Seite stünde, steht im Lebenslauf ohnehin — und dort vollständiger und leichter nachzuschlagen.

Anschreiben, Bewerbungsanschreiben, Bewerbungsschreiben — ist das dasselbe?

Ja, das sind drei Namen für denselben Brief; die Bundesagentur für Arbeit führt „Anschreiben“ und „Bewerbungs-Anschreiben“ nebeneinander für dieselbe Sache (abgerufen am 31.08.2026). Ein Motivationsschreiben ist etwas anderes — ein zusätzliches Blatt neben dem Anschreiben. Verlangt die Anzeige keines, schreibst du auch keines.

Muss ich das Anschreiben unterschreiben?

Bei einer Bewerbung auf Papier ja — die Bundesagentur für Arbeit rät ausdrücklich dazu, das ausgedruckte Anschreiben mit der Hand zu unterschreiben (abgerufen am 31.08.2026). Digital ist die Unterschrift ein Bild und kein Muss: In den Anschreiben-Vorlagen von smartply ist sie ein Feld, das leer bleiben darf. Die Namenszeile darunter steht in jedem Fall, denn sie ist kein Text, sondern eine Angabe.

Muss ich für jede Bewerbung ein neues Anschreiben schreiben?

Neu ist die Mitte, nicht der Brief. Der Rahmen bleibt, der Aufbau bleibt, und auch die Art, wie ein Beleg gebaut ist, bleibt. Was jedes Mal wechselt, sind die zwei Belege und die Zeilen der Anzeige, auf die sie antworten. Wer dieselben zwei Belege an das nächste Unternehmen schickt, hat die Probe aus diesem Text nicht gemacht.